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Der Bund der Steuerzahler (BdSt) hat heute in Berlin die neueste Ausgabe des Schwarzbuchs „Die öffentliche Verschwendung 2009“ vorgestellt. Es umfasst mehr als 100 Fälle, acht davon aus Hessen. Mit dieser jährlichen Veröffentlichung möchte die Steuerzahlerorganisation einen Beitrag zu mehr Sparsamkeit beim Ausgeben von Steuergeldern leisten. „Erfreulich ist, dass unsere Arbeit auch Erfolge zeigt. Viele fragwürdige Projekte werden nicht realisiert, weil man die Kritik des Bundes der Steuerzahler fürchtet“, so Ulrich Fried, Vorsitzender des BdSt Hessen. Seit einigen Jahren werden im Schwarzbuch auch exemplarisch Beispiele aufgeführt, in denen der Bund der Steuerzahler eine drohende Verschwendung verhindern konnte.
Die hessischen Fälle im diesjährigen Schwarzbuch kommen aus unterschiedlichen Bereichen und Regionen und stellen exemplarisch typische Beispiele für die Fehlleitung öffentlicher Mittel dar. Sie stehen stellvertretend für eine Vielzahl ähnlicher Verschwendungsfälle.
• Ein Beispiel für kommunales Kirchturmdenken auf Kosten der Steuerzahler ist der doppelte Stadionbau für die benachbarten Profi-Fußballvereine FSV Frankfurt und Kickers Offenbach. Ein gemeinsames Stadion für beide Vereine hätte eine Aufteilung der Baukosten, eine höhere Auslastung und damit einen wirtschaftlicheren Betrieb bedeutet. Auch hätten so eher Geldgeber aus der Privatwirtschaft gefunden werden können. Nun sollen in Frankfurt am Bornheimer Hang insgesamt rund 30 Millionen und in Offenbach am Bieberer Berg rund 25 Millionen Euro an Steuergeldern ausgegeben werden, um die maroden Sportstätten in zweitligataugliche Arenen zu verwandeln. Beide Städte werden vermutlich zusätzlich dauerhaft die Defizite des Stadionbetriebs tragen müssen. Ein weiteres unrühmliches Beispiel dafür, wie Profisport mit Steuergeldern subventioniert wird.
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• Die Stadt Bad Karlshafen hat sich mit dem Bau der „Weserbergland-Therme“ finanziell übernommen. Trotz 4,6 Millionen Euro an Landeszuschüssen führte das Projekt zu einer finanziellen Belastung für die Stadt in Höhe von über 12 Millionen Euro. Der Betrieb durch einen Pächter scheiterte, so dass auf die Stadt nun weitere jährliche Defizite in noch unbekannter Höhe zukommen. Trotz Warnungen im Vorfeld ist die Stadt mit diesem Mammutprojekt bewusst ein großes Risiko eingegangen. Und die Steuerzahler müssen die Zeche zahlen.
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• Die Gemeinde Wehretal erwarb für 37.000 Euro ohne Nutzungskonzept, Sanierungskosten- und Folgekostenberechnung die stark renovierungsbedürftige Obermühle im Ortsteil Reichensachsen. Nun sollen dort verschiedene Archive, Veranstaltungsräume und ein Mühlen- und Brauchtumsmuseum untergebracht werden. Sanierung und Umbau sollen in drei Bauabschnitten für insgesamt knapp 1,7 Millionen Euro erfolgen. Ohne die hohen Zuschüsse aus verschiedenen Förderprogrammen wäre dieses Projekt nicht verwirklicht worden. Ein typisches Beispiel für Steuergeldverschwendung auf Grund von Mischfinanzierung.
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• Die Stadt Hofheim finanziert gemeinsam mit dem Main-Taunus-Kreis die Wetterstation eines privaten Wetterdienstes im Stadtteil Langenhain. Allein die Baukosten betragen 28.000 Euro. Das von einem bekannten Fernsehmoderator gegründete Unternehmen beteiligt sich nicht an den Grundstücks,- Bau- und Folgekosten, sondern nutzt lediglich die Daten. Dafür wird Hofheim bei Wettersendungen abwechselnd mit 476 anderen Wetterstationen in einem Laufband aufgeführt. Ob dieser Imagegewinn die Kosten rechtfertigt, darf bezweifelt werden.
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• Ein Planungsfehler beim Bau einer Straßenbahnhaltestelle in Darmstadt-Arheilgen führte zu Mehrkosten von 40.000 Euro. Kurz vor der Einweihung rückte erneut ein Bautrupp an. Man hatte nicht bedacht, dass auf der Strecke nach Arheilgen nicht nur moderne Niederflurfahrzeuge, sondern auch alte Straßenbahnen mit ausfahrbaren Trittstufen verkehren. Die Bordsteinkanten waren somit zu hoch, deshalb wurde ein zweiter Umbau notwendig.
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• Das Land Hessen wird im diesjährigen Schwarzbuch wegen mangelnder Effizienz seiner Wirtschaftsförderung kritisiert. So hat die Hessen Agentur in der Vergangenheit auch vor kuriosen und unnützen Werbemaßnahmen wie dem Hessen-Parfüm „Inspire!“, der Hessen-Bratwurst „Elfte Generation“ oder der Hessen-Praline in vier Geschmacksrichtungen (u.a. „Grüne Soße“) nicht zurückgeschreckt. Auch die hohen Reise- und Handykosten des bisherigen Geschäftsführers Martin Herkströter werden aufgeführt. Bereits im Jahr 2006 wurde die Hessen-Agentur im Schwarzbuch für das Sponsoring einer Wiesbadener Sportgala kritisiert.
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Das aktuelle Schwarzbuch blickt auch auf zwei frühere Fälle aus Hessen zurück, um zu dokumentieren, was daraus wurde.• Im Jahr 2005 wurde der Kauf des Erbacher Schlosses durch das Land Hessen im Schwarzbuch kritisiert. Ziel dieser Maßnahme war es, die touristische Entwicklung des Odenwaldes voranzubringen und die Besucherzahlen um ein Mehrfaches zu steigern. Anders als vom Land erwartet sind die Besucherzahlen von 2006 bis 2008 jedoch spürbar zurückgegangen. Die jährlichen Folgekosten sind im gleichen Zeitraum von 225.000 auf 450.000 Euro gestiegen.
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• Eine positive Entwicklung dokumentiert der Steuerzahlerbund hingegen beim 2006 im Schwarzbuch aufgeführten Fall eines Berufsschullehrers aus Wetzlar, der sich mit Mitte vierzig frühpensionieren ließ und nur drei Jahre später eine Stelle an einer Schule in Bern annahm, wo er 7.700 Euro brutto erhielt - zusätzlich zu seinen anteiligen Pensionsansprüchen aus Hessen. Inzwischen entschied der Verwaltungsgerichtshof in Kassel, dass der frühpensionierte Lehrer wieder in Hessen unterrichten muss. Falls er nicht mehr zurückkehren sollte, bleibt dem Steuerzahler zumindest die Zahlung der Pension erspart.
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